Rezensionen

Rezension „Nordwärts“

Am 11. September 2017 erscheint „Silberflamme“, der vierte Band der Phileasson Saga aus den Händen von Bernhard Hennen und Robert Corvus.

Aus diesem Anlass möchte ich dir diese glorreiche Fantasy-Reihe mit der Rezension zu Band 1, „Nordwärts“, nochmals näher bringen (es existiert bereits von mir eine Rezension zu „Die Wölfin“, dem 3. Teil der Saga).

 

Anfänge sind doch immer etwas ganz besonderes. Erst recht, wenn es der Beginn einer Seefahrt ist, die in insgesamt 12 Bänden erzählt werden soll. In ihnen wird nicht weniger als die komplette Welt Aventurien (aus dem Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ – keine Vorkenntnisse nötig!) umrundet, mit ihren verschiedenen Vegetationen, Kreaturen, Völkern und Bräuchen, Formen der Magie, Mysterien und Herausforderungen.

Die Hauptrollen spielen dabei zwei berühmt, teils berüchtigte Seefahrer und Kontrahenten, Asleif Phileasson und Beorn, der Blender, die im Wettstreit um den Titel „König der Meere“ diese wahnsinnige Unternehmung wagen. Wer auf eine solch großartige Expedition geht (übrigens nicht in 80 Tagen um die Welt, sondern in diesem Fall in 80 Wochen), der sucht seine Gefolgsleute mit Bedacht aus. Vor allem da es nebenbei noch 12 Aufgaben zu lösen gilt.

Tatsächlich nimmt die Vorstellung der künftigen Besatzungsmitglieder in diesem ersten Band mehr Raum ein als die Ausführungen zu den beiden Titelanwärtern, was sicher nicht verkehrt ist: Wie viel muss man Helden noch lobpreisen, wenn doch schon Lieder über sie gesungen werden? Die Geschehnisse um Phileasson werden insgesamt aktiver begleitet als die seines Nebenbuhlers, des Blenders. Im Wettlauf gegeneinander darf daher, je nachdem für welchen Wettstreiter das Herz schlägt, kräftig für seinen Auserwählten mitgefiebert werden, ob er die Nase vorn hat.

Der Auftakt des Buches irritiert, aber es ist beim Lesen spürbar, wie gut die Geschichte durchdacht ist und wie klar die Charaktere vorskizziert wurden. Hier hält man hohe Handwerkskunst in Händen. Obwohl es zwei Autoren sind, ist nicht zu erkennen, aus wessen Feder welche Textpassage stammt. Niemand hat behauptet, dass eine Reise ins ewige Eis nicht beschwerlich wäre. Entsprechend lesen sich ein bis zwei Stellen etwas anstrengend langatmig, was jedoch Atmosphäre schafft.

„Nordwärts“ gibt den Kurs bereits bekannt. Doch welche Tücken die See bereit hält, wie ein frisch zusammengewürfelter Haufen zu einer Mannschaft wächst und ob im Norden Wunder oder bittere Kälte auf die Reisenden wartet, das musst du schon selber lesen. Denn sonst würde dir einiges entgehen.

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Rezension „Kaltes Verlangen“

Wer sich schon mal als hormongesteuert erlebt hat und sich dabei zuweilen selbst fremd wurde, der kann vielleicht erahnen, wie es sein muss, wenn eine psychische Krankheit das Tun und Handeln bestimmt. Permanent.

Nathalie Tielckes „Kaltes Verlangen“ ist ein moderner Psychothriller, geschrieben aus der Sicht einer Stalkerin.

Hier werden Einblicke in das Innenleben, die Denkprozesse und Dynamiken der jungen Kim gegeben, die davon besessen ist, Menschen zu beobachten, ihnen unbemerkt näher zu kommen und die dafür auch zunehmend bereit ist, Risiken einzugehen und Gesetze zu brechen. Geheimnisvolle Tagebucheinträge unterbrechen die Handlung und berichten über düstere Geschehnisse aus der Vergangenheit.

Kim ist anfangs eine wunderbare Informationsquelle, da Kim alles in sich aufsaugt: ihre Umgebung, die Menschen um sie herum. Sie stellt dabei Fragen, die dem Leser selber auf der Zunge liegen. Doch schon bald muss man feststellen, dass es über das normale Maß hinausgeht.

Ein starker Anfang, doch leider baut die Geschichte im weiteren Verlauf stark ab.

Einige Passagen lassen sich mit Kopfschütteln lesen, andere geben Rätsel auf und wieder andere halten überraschende Wendungen parat. Langweilige Charaktere gibt es nicht. Genauso wenig welche, denen nicht mindestens eine kleine psychische „Macke“ unterstellt werden darf. Sind wir eben nicht alle ein bisschen verrückt? Liegt der einzige Unterschied vielleicht nur darin, wie angepasst an die Gesellschaft der Einzelne mit seinen Verrücktheiten leben kann?

Trotz viel Fantasie und einigen angedachten Thriller-Momenten vermochte mir persönlich das Buch nicht einmal ein Schaudern zu entjagen, da es gleichzeitig häufig ins Unwahrscheinliche bis Unmögliche abdriftete, was die Glaubwürdigkeit der Geschichte zu stark beeinträchtigte. Auch bleiben offene Fragen zurück, die mich unbefriedigt zurücklassen. Zusammengefasst ist der Roman in seiner Abgehobenheit genauso irrwitzig wie seine Charaktere.

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Rezension „Smash 99 – Blutrausch“

J. S. Franks „Smash 99 – Blutrausch“ ist der erste Band von bisher insgesamt 5 Bänden um „Smash 99“, eine Substanz, die Menschen zu „Smashern“ werden lässt. Als solche zerschmettern sie ihre Mitmenschen mit ungeheurer Körperkraft bis sie selbst daran zu Grunde gehen.

Der Protagonist Hardy Stalmann verfolgt die Berichte über die „Smasher“ und die damit einhergehende Verzweiflung der Menschen. An seiner Schule, an der er als Lehrer tätig ist, bemerkt er, wie immer mehr Schüler sich aus Eskapismus Drogen hingeben und sagt den Drogen den Kampf an. Die Handlung ist in sich geschlossen.

Dadurch, dass sich die Gefahr weitesgehend eindämmen lässt und auch „nur“ Deutschland betroffen ist, hält sich die gefühlte Bedrohung in Grenzen. Von apokalyptischen Zuständen lässt sich noch nicht sprechen. Umso seltsamer wirkt es, dass die Menschen dennoch verzweifeln und vermehrt zu Drogen greifen.

Dass diese direkt in der Schule erworben werden können und wirklich niemand außer der Hauptfigur – auch nicht die Schulleitung – etwas gegen die neue Drogen-Beschaffungskultur im eigenen Haus unternimmt, erschließt sich mir nicht.

Die Namen klingen nicht harmonisch und passen auch nicht zum Deutschland-Setting (Beispiel: Jimmy Ostermann). Insgesamt wird versucht, amerikanische Verhältnisse nach Deutschland zu übertragen. Da stellt sich die Frage, warum es nicht von vornherein in Amerika spielt.

Die „Smasher“ erinnern an „28 Days Later“, da die Wirkung des dortigen Virus ähnlich ist und Stalmann ist augenscheinlich an „Dr House“ angelehnt. Man muss als Autor sicherlich nicht das Rad neu erfinden, aber zu abgekupfert darf es auch nicht wirken. Hier bewegt sich der Roman auf dünnem Eis.

Für mich als Dystopie-Liebhaberin eine herbe Enttäuschung, da keine Endzeit-Stimmung aufkommt und auch keine Zombies darin vorkommen (hatte diesbezüglich eine Erwartungshaltung, da es von Be-ebooks als „Zombie-eBook“ bezeichnet wurde). Zusätzlich hätte etwas mehr Recherche dem Roman ganz gut getan (es heißt „der IS“, nicht „die IS“ und Lehrer sind keine Pädagogen, um nur zwei Beispiele zu nennen).

Immerhin lässt sich der Roman recht flüssig lesen und wen ein paar Ungereimtheiten nicht stören, den kann der Roman einen Abend lang ganz nett unterhalten.

(Noch ist das Ebook bei Be-ebooks kostenfrei im Zombiejäger-Starterkit erhältlich)

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Rezension „Die Wölfin“

Ich habe wirklich lange schon keinen Fantasy-Roman mehr in Händen gehalten und ich muss sagen, dass „Die Wölfin“ wieder richtig Lust gemacht hat. Auf das Genre. Auf Das Schwarze Auge. Und darauf, die Wettfahrt bis zum Ende zu begleiten. Und das, obwohl ich schlimmer Mensch erst mit diesem Band in die Saga gestartet bin.

Mit „Die Wölfin“ nimmt uns das Autorenteam Bernhard Hennen und Robert Corvus zum dritten Mal mit auf Wettfahrt der Seefahrer Asleif Phileasson und Beorn, dem Blender. Angesiedelt ist das Abenteuer in der Welt Das Schwarze Auge.

Eine Mannschaft zusammenzuhalten, sich ihr Vertrauen zu sichern und Gefahren von ihnen abzuwenden, da hat man schon mal alle Hände voll zu tun. Erst recht, wenn man dies nicht wie gewohnt auf See, sondern an Land vollbringen muss. Die beiden rivalisierenden Drachenführer Phileasson und Beorn ziehen in ihr nächstes Abenteuer, das sich jeweils sehr unterschiedlich gestaltet. Es gilt Rätsel zu lösen und allerhand Konflikte zu bewältigen. Dabei tun sich manche düstere Abgründe auf.

Ein großes Lesevergnügen nicht nur für diejenigen, die bereits mit der Welt Das Schwarze Auge vertraut sind. Jedoch können sich Eingeweihte durchaus über ein paar besondere Schmankerl freuen, was Persönlichkeiten, Orte und Elfengeschichte anbelangt.

Geheimnisse laden zum Mitraten ein und auch so einige köstlich humoristische Elemente sind enthalten. Die alten sowie neuen Figuren gewinnen im Laufe der Geschichte an Facetten hinzu, jedoch kann das Buch allein schon durch die Vielzahl an Charakteren nicht allen in der Hinsicht gerecht werden. Da die Saga aber insgesamt 12 Bände beinhalten wird, heißt es getrost warten, denn es bleibt noch viel Raum zum Erzählen.

Apropos: Bis Herbst 2017 müssen wir leider warten bis die Saga fortgesetzt wird.